MANUELA FALLER
(Universität Mannheim) |
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Die Umsetzung des Lernfeldkonzeptes mit
computerunterstützten Lernumgebungen |
1.
Einleitung |
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Die berufliche Schulausbildung war in den letzten Jahren großen
Veränderungen unterworfen, was zur Entwicklung neuer bzw.
Änderung bestehender Konzepte führte. Hier sind vorrangig
das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts und der Lernfeldansatz
als neuere didaktische Ansätze anzuführen.
Die Bedeutung des lebenslangen Lernens steht derzeit außer
Frage, so dass sich die Bemühungen darauf konzentrieren,
zu erforschen, wie Lehr-/Lernmethoden effektiver und effizienter
eingesetzt werden können bzw. mit welchen Instrumenten
der Lehr-/Lernprozess dabei unterstützt werden kann.
Daneben ist in den Schulen der zunehmende Einsatz von Computern
zu beobachten, was die Frage aufwirft, welchen Beitrag die neuen
Informationstechnologien zur Realisierung der erwähnten
Konzepte leisten können (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR
BILDUNG UND FORSCHUNG 2001 und EULER 1992, 16 f.).
Im Folgenden wird die Gestaltung von computerunterstützten
Lernumgebungen zur Umsetzung des Lernfeldkonzeptes diskutiert.
Nach einer Beschreibung des Lernfeldkonzeptes werden Implikationen
herausgearbeitet, die sich aus den Zielsetzungen des Konzeptes
ergeben. Es wird beleuchtet, inwiefern die abgeleiteten Ziele
mithilfe von Komponenten aus dem E-Learning-Bereich realisiert
werden können. Um die Diskussion über die Eignung
des computerbasierten Lernens im Rahmen des lernfeldorientierten
Unterrichts zu fundieren, werden anhand einer bereits existierenden
Software beispielhaft konkrete Gestaltungsansätze aufgezeigt. |
2. Was versteht man unter dem Lernfeldkonzept?
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Es kann in diesem Zusammenhang nicht auf eine "Theorie
des Lernfeldes" zurückgegriffen werden, da das Konzept
kein im theoretischen Raum entwickeltes Konstrukt darstellt,
sondern im Hinblick auf die Bedürfnisse der Berufspraxis
entwickelt wurde (vgl. BADER, 1999). Die Gründe bzw.
die Motivationen für die Entwicklung des Lernfeldkonzeptes
können in der Kritik mangelnder Verzahnung der Unterrichtsinhalte
mit den konkreten Anforderungen des Berufsalltags gesehen
werden. Das Lernfeldkonzept fasst einzelne Themen- und Fachgebiete
unter Praxisgesichtspunkten zu einem Lernfeld zusammen, das
wiederum in einzelne Lernsituationen untergliedert wird (vgl.
BADER/SCHÄFER 1998). Es erfolgt eine Abkehr von der Gliederung
der Inhalte nach fachsystematischen Gesichtspunkten hin zu
einer Gliederung im Sinne der Handlungssystematik des betrieblichen
Alltags. Lernfelder werden in diesem Zusammenhang gemäß
der in Abbildung 1 dargestellten Systematik aus den Handlungsfeldern
der Praxis abgeleitet.
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Abb. 1: Ableitung von Lernfeldern, in Anlehnung an BADER (2000)
und KREMER/SLOANE (1999)
Ausgehend von dem in diesem Abschnitt erläuterten Bezugsrahmen
werden im Folgenden Implikationen herausgearbeitet, die sich
für die Lehrenden beruflicher Bildungsinstitutionen aus
dem Lernfeldkonzept ergeben. Der Schwerpunkt der Betrachtung
liegt dabei darin, die sich aus der Lernfeldorientierung ergebenden
Zielsetzungen herauszuarbeiten, um untersuchen zu können,
wie diese mittels E-Learning realisiert werden können.
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3.
Implikationen für die beruflichen Bildungsinstitutionen |
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Als didaktischer Grundsatz der Ausbildung wird im neuen Rahmenlehrplan
für Industriekaufleute das verantwortungsbewusste Denken
und Handeln formuliert. Dabei wird vor allem auf die Handlungsorientierung
rekurriert (vgl. RAHMENLEHRPLAN, 5 ff.). "Handlungsorientierter
Unterricht setzt eine weitgehende Berücksichtigung der
Individuallage der Schüler, d.h. die persönlichen
Interessen, Fähigkeiten und Lernerfahrungen voraus und
korrespondiert daher mit dem schülerorientierten Unterricht.
Die Lernenden sollten sich möglichst selbstbestimmend
am Lehr-/Lernprozess beteiligen" (vgl. SCHRÖDER
2001, 149, Hervorhebungen durch Verfasserin). Der Bezugspunkt
des handlungsorientierten Unterrichts stellt nicht das praktische
Tun dar, sondern vielmehr eine praktische Anwendung im Sinne
einer kognitiven Auseinandersetzung der Lernenden mit realistischen
betrieblichen Abläufen und deren Abbildungen.
Die Vermittlung von Handlungskompetenz bezieht auch die Vermittlung
von Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen als deren Komponenten
mit ein (vgl. RAHMENLEHRPLAN 2002, 3 f.). Die folgende Grafik
stellt für die weitere Betrachtung ausgewählte Komponenten
der Handlungsorientierung zusammenfassend dar:
Abb. 2: Ausgewählte Komponenten der Handlungsorientierung.
Die bisher genannten Zielsetzungen machen es notwendig, die
Inhalte realistisch abzubilden, um eine ganzheitliche, prozessorientierte
Gliederung der Lehr-/Lerninhalte zu generieren. Damit wird
eine stärker an den betrieblichen Abläufen angelehnte
Betrachtungsweise angestrebt. Die isolierte Abarbeitung einzelner
Themengebiete kann zu trägem, isoliertem Wissen führen,
das häufig nicht auf die komplexen Problemstellungen
der Praxis angewandt werden kann (vgl. REETZ 1996, 173 ff.).
Der Lehr-/Lernprozess sollte sich demnach vielmehr an den
konkreten (Problem-)Situationen des Unternehmensalltags orientieren
(vgl. PETERSSEN 1999, 263 f.).
Die interdependenten Problemstellungen des betrieblichen Alltags
führen u. a. zu einer stärkeren Betonung der Schnittstellen
zwischen den unterschiedlichen Fachgebieten. So müssen
sich Lehrende bspw. von der Vorstellung eines Fachlehrers
lösen und eine interdisziplinäre Vermittlung der
Inhalte anstreben. Die Instruktion orientiert sich nicht mehr
an der Fach-, sondern an der Handlungssystematik. Die fächerübergreifende
Vermittlung der Lehr-/Lerninhalte kann auch auf eine lernfeldübergreifende
Instruktion ausgeweitet werden, die die Lernenden durch die
daraus resultierende "Lernfeldsystematik" an eine
ganzheitliche Betrachtungsweise der Inhalte heranführen
kann.
Das Ziel, die Auszubildenden zu verantwortungsbewusstem Handeln
und Entscheiden zu befähigen, impliziert eine stärkere
Selbststeuerung des Lernens (RAHMENLEHRPLAN, 5). Um im beruflichen
Alltag bestehen zu können, müssen die Auszubildenden
lernen, Problemstellungen selbstständig und in Eigeninitiative
zu bearbeiten. Dazu muss den Lernenden die Verantwortung für
ihre Entscheidungen frühzeitig übertragen werden.
Der zunehmende Umfang des Lehr-/Lernstoffes und die schnellen
Veränderungen im betrieblichen Alltag erfordern zudem
auch die Fähigkeit der Lernenden, sich bei Bedarf selbstständig
weiterzubilden (vgl. KRAMMES 2000). Im Sinne des lebenslangen
Lernens müssen sich die Auszubildenden zur Lösung
neuer, ihnen zunächst noch unbekannter Problemstellungen
der Praxis, selbst Informationen beschaffen und damit ihr
Wissen ausbauen können (vgl. ARNOLD/SCHÜßLER
1998, 59).
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4.
Die Umsetzung des Lernfeldkonzeptes mit Hilfe von Lernsoftware |
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Betrachtet man die Entwicklungen auf dem Gebiet des E-Learning,
wie bspw. den Einsatz von Simulationen (vgl. MADER/STÖCKL
1999, 101 f.), bietet die Umsetzung des Lernfeldkonzeptes
mithilfe einer Lernsoftware ein großes Potenzial.
Es stellt sich nun die Frage, wie die oben hergeleiteten Implikationen
des Lernfeldkonzeptes durch eine Lernsoftware unterstützt
werden können. Dabei soll es in der praktischen Anwendung
nicht darum gehen, das Lernen an isolierten Lernplätzen
ohne Präsenzphasen zu realisieren. Vielmehr soll aufgezeigt
werden, inwieweit computerunterstützte Lernumgebungen
einen Beitrag zur Umsetzung des Lernfeldkonzeptes leisten
können. Hierbei wird vor allem auf die spezifischen Vorteile
des Softwareeinsatzes eingegangen und untersucht, ob eine
Verknüpfung vor dem Hintergrund der zuvor abgeleiteten
Zielsetzungen sinnvoll erscheint.
Relativierend sei angemerkt, dass die Vorteilhaftigkeit des
Einsatzes von computerbasierten Lernumgebungen meist nur unter
situativen Faktoren und abhängig von den individuellen
Eigenschaften der entsprechenden Lernsoftware beurteilt werden
kann. Empirische Untersuchungen zeigen, dass der Lehr-/Lernprozess
mit computergestützten Angeboten effektiver gestaltet
werden kann (vgl. TULOZIECKI 2000, 27 und EULER 1992, 51 ff.).
Dieser Effekt stellt sich jedoch nicht automatisch ein, sondern
hängt davon ab, inwiefern eine Software auf die Lernvoraussetzungen
und Lerninhalte abgestimmt wurde.
Grundsätzlich ist in diesem Zusammenhang auf die Divergenz
zwischen dem informationstechnisch Möglichen und dem
sinnvoll Umsetzbaren hinzuweisen (Nutzen vs. Entwicklungsaufwand).
Aus diesem Grund wird zunächst auf die Möglichkeiten
zur Gestaltung einer computerunterstützten Lernumgebung
Bezug genommen, auch wenn im konkreten Anwendungsfall der
Einsatz einer Software und die Realisation des Möglichen
bei der Erstellung des Programms vom Lehrenden unter Kosten-Nutzen-Gesichtpunkten
individuell beurteilt werden muss (vgl. MADER/STÖCKL
1999, 104 ff.).
Im Folgenden werden die aus dem Lernfeldkonzept abgeleiteten
Zielsetzungen in Form von Thesen formuliert und überprüft,
inwiefern diese mit Computerunterstützung umgesetzt werden
können. Die Abgrenzung der einzelnen Zielsetzungen kann
dabei aufgrund von Interdependenzen nicht trennscharf erfolgen.
Um jedoch konkrete Ansatzpunkte für den Computereinsatz
zu schaffen, werden einzelne Zielsetzungen herausgegriffen.
Da sich die abgeleiteten Ziele gegenseitig eher verstärken
bzw. konvergieren und weniger konfliktäre Beziehungen
aufweisen, erscheint deren getrennte Betrachtung nach Meinung
der Verfasserin nicht problematisch.
4.1 These 1: Der Einsatz einer
Software kann eine gemeinsame Arbeitsbasis für alle Beteiligten
schaffen und ermöglicht damit eine ganzheitliche Betrachtung
des Lehr-/Lernprozesses.
Es soll an dieser Stelle nicht allein um die Orientierung
des Lehr-/Lernprozesse am Wertschöpfungsprozess realer
Unternehmungen gehen, sondern in Korrespondenz dazu auch um
die Schaffung einer gemeinsamen Lehr-/Lernbasis für die
Beteiligten.
Aufgrund der informationstechnischen Entwicklungen können
derzeit große Datenmengen, d.h. auch aufwändige
Grafiken, problemlos und einfach auf Datenträgern abgespeichert
werden. So können bereits bearbeitete Daten, bspw. bis
zum Speicherungszeitpunkt ermittelte Aufgabenergebnisse, für
alle Beteiligten zugänglich gemacht werden. Der Lehrende
hat damit die Möglichkeit, den Lernfortschritt der Lernenden
zu verfolgen.
Der angesprochenen Datenbasis kann besonders auch dann große
Wichtigkeit beigemessen werden, wenn die Inhalte eines Lernfeldes
von mehreren Lehrenden in Kooperation vermittelt werden sollen.
Bei einer webgesteuerten Lernsoftware oder einer Software,
die im Intranet bearbeitet werden kann, können die Lehrenden
zur Unterrichtsvorbereitung auf die bereits von Kollegen bearbeiteten
Aufgabenstellungen zurückgreifen und mit ihrem Unterricht
dort ansetzen (vgl. DITTLER 2002, 15 ff.). Auf diese Weise
kann der Fluss im Lehr-/Lernprozess über mehrere Unterrichtsstunden
hinweg beibehalten werden.
In der Praxis können Daten auch mithilfe von Learning
Management Systemen abgespeichert werden. Diese Systeme können
auch ohne tiefer gehende technische Kenntnisse von den Beteiligten
genutzt werden. Gerade auch die Gestaltung einer Plattform
durch die Dozenten ist nach nur kurzer Einarbeitungszeit möglich
(vgl. KÖLLINGER 2002).
4.2 These 2: Eine Lernsoftware
kann die Methodenkompetenz als eine Komponente der Handlungsorientierung
fördern.
Da die Verarbeitung von Daten im betrieblichen Alltag aufgrund
ihrer Komplexität und Menge in der Praxis meist den Softwareeinsatz
erfordert, ermöglicht allein der Computereinsatz im Lehr-/Lernprozess
an sich schon eine Abbildung der Realität. Als Beispiel
sei an dieser Stelle das Arbeiten mit Tabellenkalkulationsprogrammen
im Unterricht angeführt. Da auch in den Unternehmungen
mit diesen Programmen gearbeitet wird, ermöglicht der
Einsatz die direkte Übertragung des Gelernten auf die
Aufgaben der betrieblichen Praxis. Je realitätsnäher
die Gestaltung eines Programms, desto stärker kann mit
dessen Hilfe die Methodenkompetenz gefördert werden (vgl.
ZUMBACH 2002, 69).
Darüber hinaus kann das problem- und damit auch entscheidungsorientierte
Lernen aufgrund der Datenmenge mit Hilfe einer Software einfacher
und flexibler realisiert werden als bspw. mit einer Aufgabe
in Papierform. Mit Hilfe von Szenarien, die unterschiedliche
Umweltzustände berücksichtigen, können die
Lernenden praxisnah ihre Fähigkeiten zur Lösung
verschiedener auf unterschiedlichen Problemstellungen basierenden
Aufgaben unter Beweis stellen (vgl. ZUMBACH 2002, 70 ff).
Gerade auch hier besteht durch den Einsatz computerunterstützter
Lernumgebungen die Möglichkeit, das Verantwortungsbewusstsein
der Auszubildenden zu stärken. Dieser Lerneffekt korreliert
jedoch mit der Frage, inwieweit die Lernenden die Konsequenzen
ihrer Entscheidung als realistisch empfinden.
4.3 These 3: Der Einsatz einer
Lernsoftware kann auch in Gruppenarbeit erfolgen und damit
Sozialkompetenz vermitteln.
Der Einsatz des Computers wird oft mit der Entpersonifizierung
des Lehr-/Lernprozesses gleichgesetzt und die computergestützte
Instruktion damit häufig kritisiert (vgl. WEISE 2001).
An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass
die Verfasserin nicht das Ziel verfolgt, darzustellen, wie
der Unterricht vollständig am PC durchgeführt und
damit die Lehrperson ersetzt werden kann.
Vollkommen auf Präsenzphasen zu verzichten ist nicht
vorteilhaft, wobei die Kombination der Präsenzlehre mit
dem Einsatz neuer Technologien die Nachteile beider Komponenten
relativieren könnte (vgl. DITTLER 2002, 18 ff.). Beispielsweise
kann mit computergestützten Lernumgebungen die Zeit-
und Ortsabhängigkeit der Präsenzlehre aufgehoben
werden.
Die Arbeit mit einer Lernsoftware muss nicht zur Isolation
führen (vgl. EULER 1992, 44). Aufgaben am PC können
in Gruppen bearbeitet und so auch hier die Ausbildung der
Sozialkompetenz durch soziale Interaktionsprozesse ermöglicht
werden.
Durch die Integration von Kommunikationstechnologien ergibt
sich außerdem die Möglichkeit, das kooperative
Lernen durch Computereinsatz zu unterstützen. Komplexe
Aufgaben können durch die Vernetzung von Computern von
verschiedenen Lernenden bearbeitet und deren Ergebnisse im
Anschluss zusammengeführt werden (vgl. TRITSCH 1997,
25 f. und HRON/HESSE/FRIEDRICH 2002, 91 f.).
Das kooperative Lernen kann außerdem durch den Einsatz
von Lernplattformen unterstützt werden (vgl. BLOH 2002).
Gerade auch verteilte und kooperative Applikationen ermöglichen
flexibel zwei verschiedene Arten der Interaktion. Zunächst
können die Beteiligten bspw. über E-Mails asynchron
interagieren, d.h. sie arbeiten nicht gleichzeitig mit einer
Plattform. Darüber hinaus wird eine synchrone Interaktion
ermöglicht, die bspw. durch kooperative Lernumgebungen
realisiert werden kann (vgl. TRITSCH 1997, 78).
4.4 These 4: Eine Software kann
die Analyse und Beurteilung des gesamten Wertschöpfungsprozesses
der Praxis, d.h. des betrieblichen Alltags, unterstützen.
Wie bereits erwähnt, wird in den neuen lernfeldbezogenen
Rahmenlehrplänen das Ziel verfolgt, "junge Menschen
zu selbständigem Planen, Durchführen und Beurteilen
von Arbeitsaufgaben im Rahmen ihrer Berufstätigkeit zu
befähigen" (RAHMENLERHPLAN 2002, 5).
Um diese Zielsetzung erreichen zu können, müssen
die Lernenden den gesamten Wertschöpfungsprozess in ihre
Betrachtung einbeziehen. Die isolierte Betrachtung einzelner
Teilprozesse eines Unternehmens während der Ausbildung
kann dazu führen, dass es Auszubildenden in der Praxis
nur schwer gelingt, die Probleme anderer Bereiche mit denen
des eigenen Planungsbereichs zu verknüpfen. (vgl. KRAMMES
2000, 7 und RAHMENLEHRPLAN 2002, 5).
Aufgrund der Komplexität der Lernfelder sind die beruflichen
Bildungsinstitutionen gezwungen, diese nach didaktischer Reflexion
in einzelne Lernsituationen aufzuspalten (vgl. Abb. 1), was
die Gefahr birgt, im Unterricht (und damit auch bei der Übertragung
des Gelernten auf die Problemstellungen der Praxis) den Bezug
zum Gesamtzusammenhang eines kompletten Lernfeldes zu verlieren.
Einer zersplitterten Bearbeitung einzelner Lernsituationen
kann durch eine gemeinsame Datenbasis vorgebeugt werden.
Die Umsetzung kann mithilfe von Datenbanken erfolgen, auf
denen die Daten von realen Unternehmen hinterlegt werden können.
Ermöglicht eine Software jederzeit den Zugriff auf praxisrelevante
Unternehmensdaten, können didaktische Bezugspunkte gesetzt
werden, die für die jeweiligen beruflichen Aufgabengebiete
relevant sind. Lehrende können bewusst Aufgaben erstellen,
zu deren Lösung Daten anderer Unternehmensbereiche benötigt
werden. Aufgrund der Komplexität betrieblicher Abläufe
kann auf die didaktische Reduktion der Inhalte auch durch
den Einsatz von Software nicht vollständig verzichtet
werden, jedoch bietet der Computereinsatz die Möglichkeit,
ausgewählte Inhalte im Kontext übergreifender Bezüge
darzustellen. Wird bspw. der gesamte Kostenplanungsprozess
mit einer Software abgebildet, können die am Lehr-/Lernprozess
Beteiligten flexibel einzelne Themenbereiche herausgreifen.
Darüber hinaus wird den Lernenden durch das "Herausgreifen"
verdeutlicht, dass die Inhalte nicht zusammenhangslos und
isoliert zu betrachten sind.
Wird im Unterricht immer dieselbe Software verwendet, wird
es den Lernenden eventuell leichter fallen, das Gelernte als
zusammenhängend zu begreifen, was sich vor allem auch
für die Bearbeitung lernfeldübergreifender Problemstellungen
positiv auswirken kann. Im fächerspezifischen Unterricht
besteht die Gefahr, dass die Interdependenzen zwischen den
einzelnen Fächern evtl. nicht wahrgenommen werden. In
diesem Zusammenhang kann auch die Vorteilhaftigkeit von Multimediaproduktionen
angeführt werden, einen Themenbereich mit den entsprechenden
Fächerbezügen abbilden zu können (vgl. WINTER
2000, 81 ff.).
4.5 These 5: Eine Lernsoftware
erlaubt ein stärker an der Unternehmenspraxis und den
daraus resultierenden Entscheidungen orientiertes Lernen.
Handlungs- und Lernfelder können besser verknüpft
werden.
Das Problem des entscheidungsorientierten Lernens im herkömmlichen
Präsenzunterricht besteht darin, dass die Lernenden die
Folgen einer Entscheidung nicht vollständig (d.h. im
Kontext der Praxis) wahrnehmen können (vgl. hierzu auch
These 4), da die statische Darstellung und didaktische Reduktion
entscheidungsorientierte Problemstellungen verzerren kann.
Um jedoch eine stärkere Praxisorientierung der Ausbildung
realisieren zu können, muss der realistischen Abbildung
der Problemstellungen der Praxis im Kontext des Unterrichts
große Wichtigkeit beigemessen werden.
Als besonders vorteilhaftes Kriterium des Computereinsatzes
ist an dieser Stelle die Möglichkeit anzuführen,
auch multifaktorielle Einflüsse abbilden zu können.
Durch den Einsatz kann der Entscheidungsprozess folglich dynamisiert
und die Konsequenzen einer Entscheidung praxisnäher abgebildet
werden.
Da einzelne Entscheidungsparameter nicht als konstant angenommen
werden müssen, können damit die Handlungsfelder
aus der Unternehmenspraxis und die daraus abgeleiteten didaktisch
aufbereiteten und reduzierten Lernfelder besser verknüpft
werden.
4.6 These 5: Mit Hilfe computerunterstützter
Lernumgebungen kann der Lernprozess selbst gesteuert erfolgen
und damit auch eine stärkere Individualisierung ermöglichen.
Die Zielsetzung des Lernfeldkonzeptes, die Lernenden zu verantwortungsbewussten,
selbstständigen Menschen heranzubilden, verstärkt
die Forderung nach der eigenständigen Bearbeitung von
Aufgaben. Eine stärkere Individualisierung des Lehr-/Lernprozesses
kann mit Hilfe einer Lernsoftware durch deren Adaptivität
erreicht werden. Voraussetzung für die Umsetzung stellt
dabei das Vorhandensein diagnostischer Funktionen dar (vgl.
SCHULMEISTER 1997, 199 f.). Dafür können in der
Praxis intelligente Lehrprogramme eingesetzt werden .
Es sei jedoch an dieser Stelle angemerkt, dass der Programmieraufwand
umso höher ist, je individueller die Rückmeldungen
des Programms auf Eingaben seitens der Lernenden gestaltet
werden. Unabhängig von den Schwierigkeiten bei der Entwicklung
einer individuellen Software muss festgehalten werden, dass
die neuen Technologien nicht in der Lage sind, die differenzierten
Rückmeldungen eines Lehrenden zu ersetzen.
Die Möglichkeiten der Individualisierung des Lehr-/Lernprozesses
durch eine Lernsoftware kann sich vor allem bezogen auf unterschiedliche
Lerngeschwindigkeiten und Wissensstände vorteilhaft auswirken
(vgl. EULER 1992, 38 ff.). Im herkömmlichen Präsenzunterricht
erfolgt häufig eine Nivellierung der Wissensstände
und Leistungsniveaus der einzelnen Schüler (vgl. EULER
1992, 39). Die daraus resultierende Orientierung an einem
fiktiven homogenen Lernenden kann durch den Einsatz einer
Lernsoftware relativiert werden.
Bei der Gestaltung einer Lernsoftware können Spielräume
geschaffen werden, die es dem Lernenden erlauben, seine Lerngeschwindigkeit
selbst zu bestimmen. Der Schüler hat sodann die Möglichkeit,
sich in Ruhe die Lösung der Aufgabe zu überlegen
und dann erst auf Eingabeaufforderungen seitens des Computers
zu reagieren. Gerade beim Einsatz der Software in Einzelarbeit
hat somit jeder Schüler die Möglichkeit, ohne Beeinflussung
durch die Mitschüler für die Problemstellung eine
Lösung zu finden.
Außerdem können auch unterschiedliche Wissensstände
Berücksichtigung finden. An dieser Stelle muss jedoch
angemerkt werden, dass eine Lernsoftware oft für große
Anwendergruppen entwickelt wird und deshalb meist doch die
Vorstellung eines Durchschnittslerners zugrunde liegt (vgl.
EULER 1992, 39). Die Lernenden haben jedoch die Möglichkeit,
bei Bedarf hinterlegte Daten jederzeit noch einmal aufzurufen.
Die Umsetzung kann mithilfe von Hyperlinks erfolgen und damit
der Entwicklungsaufwand minimiert werden. Außerdem können
in eine Software multimediale Lerneinheiten wie Lehrfilme
und Aufgaben eingebaut werden, die schwierige Sachverhalte
einzelner Stoffgebiete nochmals thematisieren und jederzeit
als Gedächtnisstütze für das bereits Gelernte
herangezogen werden können.
Relativierend sei hier darauf hingewiesen, dass in realen
Unterrichtssituationen eine absolute Selbststeuerung des Lernprozesses
auch mit einer Software nur schwer realisierbar wenn nicht
sogar unmöglich ist. Als Begründung kann hier der
unter Umständen sehr hohe Zeitaufwand angeführt
werden (vgl. EULER 1992, 159 ff.).
Es wäre jedoch denkbar, ein Lernprogramm so zu gestalten,
dass zunächst eine "rudimentäre" Problemstellung
bearbeitet wird, die in angemessener Zeit von jedem Lernenden
bewältigt werden kann. Neben dieser Problemstellung könnten
weitere entwickelt werden, die sich mit übergreifenden,
evtl. auch interdisziplinären Inhalten befassen und bearbeitet
werden können, sobald Grundproblemstellung gelöst
wurde. Auf diese Art und Weise kann das Zeitproblem zumindest
teilweise gelöst werden. "Stärkere Lernende"
können so tiefer in ein Wissengebiet einsteigen, während
"Schwächere" Grundprobleme bearbeiten.
Aus dieser Konstellation folgt, dass eine unterschiedliche
Menge an Inhalten bearbeitet und damit auch unterschiedliche
Wissensstände induziert werden. Die Beurteilung dieser
Anmerkung sei an dieser Stelle dem Leser überlassen.
In jedem Fall muss die grundlegende Problemstellung alle Lernenden
dazu befähigen, den Anforderungen des zu erlernenden
Berufes gerecht zu werden. Ihrer Gestaltung muss demnach große
Wichtigkeit beigemessen werden.
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5.
Lernfeldorientiertes Lernen mit der Lernumgebung "Joker" |
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Im Folgenden soll die Umsetzung der aus dem Lernfeldkonzept
abgeleiteten Implikationen an einem konkreten Beispiel beschrieben
werden. Diesbezüglich wird auf eine bereits existierende
Lernsoftware abgestellt, die um lernfeldorientierte Aufgabenstellungen
ergänzt werden soll. Nach einer kurzen Beschreibung des
Ist-Zustandes der Software werden im direkten Anschluss konkrete
Anknüpfungspunkte für die Implementierung des Lernfeldkonzeptes
aufgezeigt.
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5.1
Der Aufbau der Lernumgebung Joker
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5.1.1 Was ist Joker?
Joker steht für Java basierte objektorientierte Lernumgebung
zur Kosten und Erlösrechnung und kann ergänzend
zu Lehrveranstaltungen aller Art eingesetzt werden. Das Programm
wurde an der Universität Mannheim in Zusammenarbeit mehrerer
Lehrstühle ins Leben gerufen und kontinuierlich weiter
entwickelt . Es wird derzeit überwiegend an Universitäten
eingesetzt. Aufgrund der steigenden Nachfrage seitens der
Lehrenden beruflicher Schulen wird mit der Implementierung
lernfeldorientierter Aufgaben das Ziel verfolgt, die Software
an die Anforderungen des schulischen Unterrichts anzupassen
und damit ein neues Anwendungsgebiet zu erschließen.
Die Software ist modular aufgebaut, wobei die einzelnen Lernmodule
als Bausteine gesehen werden können, die konkrete Sachverhalte,
wie bspw. die Gemeinkostenplanung, aus dem übergreifenden
Themengebiet der Kosten- und Erlösrechnung herausgreifen
(vgl. Abb. 3).
Abb. 3: Implementierte Lernmodule der Lernumgebung Joker.
Weitere Informationen zu Joker: http://joker.uni-mannheim.de
Der Aufbau und die Gliederung der Lernumgebung erfolgt unter
fachsystematischen Gesichtspunkten. Die einzelnen Lernmodule
beinhalten Aufgabenstellungen, die sich auf ausgewählte
Themenschwerpunkte beziehen und werden durch multimediale
Lerneinheiten ergänzt. Als multimediale Lerneinheiten
werden in diesem Zusammenhang Aufgaben und Animationen verstanden,
wie bspw. Zuordnungsaufgaben und Lehrfilme (vgl. Abb. 4).
Das Ziel bei der Entwicklung besteht darin, ein Experimentierwerkzeug
für die Kosten- und Erlösrechnung bereitzustellen,
mit dem weniger bloße Rechenfertigkeiten eingeübt
werden sollen. Gerade die Aufgaben der Kostenrechnung sollten
nicht auf mathematische Problemstellungen reduziert werden.
Vielmehr sollte die Wichtigkeit der Bereitstellung von Kosteninformationen
vor dem Hintergrund des gesamten Wertschöpfungsprozesses
aufgezeigt werden. Es geht demnach darum, den Lernenden die
Möglichkeit zu bieten, das Verständnis für
kostenrechnerische Abläufe anhand realitätsnaher
Unternehmensdaten zu entwickeln und zu vertiefen.
Zu Beginn kann die Auswahl einzelner Lernmodule vom Lernenden
selbst gesteuert erfolgen. Er kann nach dem Start des Programms
frei wählen, welches der implementierten Module er bearbeiten
möchte. Als Hilfestellung wird den Anwendern ein Orientierungstest
zur Verfügung gestellt, der ausgehend vom erreichten
Ergebnis individuelle Empfehlungen zur Bearbeitung der Lernmodule
gibt (vgl. Abb. 4). Außerdem besteht die Möglichkeit,
sich Animationen und Zuordnungsaufgaben außerhalb der
Lernmodule anzusehen. Nach der Entscheidung für ein Lernmodul
wird der Lernende innerhalb des entsprechenden Lernmoduls
anhand der ihm gestellten Aufgaben geleitet, so dass das selbst
gesteuerte Lernen an dieser Stelle nur eingeschränkt
realisiert werden kann.
Abb. 4: Orientierungstest zur Einstufung.
Es besteht jedoch auch innerhalb eines Lernmoduls die Möglichkeit,
jederzeit die thematisch korrespondierenden multimedialen
Lerneinheiten zu bearbeiten. Durch das Setzen von Lesezeichen
wird die Unterbrechung des Lernprozesses und Speicherung der
bisherigen Ergebnisse ermöglicht, um bspw. noch einmal
auf bereits bearbeitete Lernmodule zurückgreifen zu können.
Es wurde zudem ein Lernmodul entwickelt, das den Lernenden
das freie, selbst gesteuerte Arbeiten ermöglicht. Es
können dabei durch den Zugriff auf die zugrunde liegenden
Unternehmensdaten einzelne Entscheidungsparameter frei verändert
werden. Die Lernenden erhalten damit die Möglichkeit,
selbst gewählte Problemstellungen zu bearbeiten, die
Konsequenzen ihrer Eingriffe zu durchdenken und die Ergebnisse
ihrer Denkprozesse anhand der Software zu überprüfen.
Die Bearbeitung der Lernmodule kann unabhängig voneinander
erfolgen, da jedes Lernmodul für sich abgeschlossene
Aufgaben beinhaltet. Die Reihenfolge der Bearbeitung der Aufgaben
innerhalb eines Lernmoduls wird zwar vorgegeben, jedoch wurden
bewusst Themen übergreifende Problemstellungen in die
Lernmodule integriert, um die Anhäufung trägen Wissens
zu vermeiden.
5.1.2 Der technische Aufbau von Joker!
Auf die Schilderung des technischen Aufbaus soll an dieser
Stelle nur verkürzt eingegangen werden. Der technische
Aufbau der Software kann grafisch anhand der folgenden Abbildung
verdeutlicht werden:
Abb. 5: Struktur der Lernumgebung Joker.
Die einzelnen Lernmodule basieren auf etablierten Standards
wie XML, HTML und Macromedia FlashTM sowie objektorientierten
Technologien, wie bspw. Java. Für die Bearbeitung der
Aufgaben innerhalb der Lernmodule sowie beim freien Arbeiten
wird auf die in den Datenbanken hinterlegten Unternehmensdaten
zurückgegriffen. Die Joker-Java-Anwendungen realisieren
die Oberfläche und ermöglichen damit die Ausführung
der Funktionen der Kostenrechnung wie bspw. die Durchführung
einer Kostenplanung (vgl. Abb. 6).
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Abb. 6: Detaildarstellung der Struktur von Joker.
5.2 Konkrete Anknüpfungspunkte
für die Lernfeldorientierung
Im Folgenden sollen beispielhaft Anknüpfungspunkte für
die Implementierung der Lernfeldorientierung in die Lernumgebung
Joker aufgezeigt werden. Gemäß des thematischen
Schwerpunktes der Software auf dem Gebiet der Kosten- und
Erlösrechnung wird auf das thematisch korrespondierende
Lernfeld zurückgegriffen. Im neuen Rahmenlehrplan für
Industriekaufleute wird der Themenbereich durch das vierte
Lernfeld: "Wertschöpfungsprozesse analysieren und
beurteilen" abgedeckt. Des Weiteren soll auch eine verkürzte
lernfeldübergreifende Erweiterung durch einzelne Verknüpfungen
in die Betrachtung einbezogen werden. Bei der Abbildung des
gesamten Lehrplans könnte das Lernprogramm dann über
das gesamte Schuljahr als Basis dienen.
5.2.1 Gliederung der Inhalte gemäß der Handlungssystematik
Um mit Joker den lernfeldorientierten Unterricht unterstützen
zu können, muss sich das Lernprogramm von der fachsystematischen
Gliederung lösen und sich an den konkreten Handlungsabläufen
der Unternehmenspraxis orientieren. Für den Einsatz im
Berufsschulunterricht könnte ein Ansatzpunkt darin gesehen
werden, die Inhalte aller Lernfelder der überarbeiteten
Lehrpläne in die Betrachtung einzubeziehen. Die Gliederung
der implementierten Themengebiete anhand von Lernmodule würde
obsolet und durch eine Gliederung in einzelne Lernfelder ersetzt
werden (vgl. Abb. 7). Führt man diesen Gedanken weiter,
wäre innerhalb der Lernfelder eine weitere Gliederungsebene
denkbar, die sich an die Gliederung der Lernfelder in den
Lernplänen anlehnt und demnach der Handlungssystematik
folgt. Der Lernende kann dann nach dem Start des Programms
aus dem Angebot das Lernfeld auswählen, das er gerne
bearbeiten und vertiefen möchte.

Abb. 7: Gliederung anhand von Lernfeldern.
Um in einer an Lernfeldern orientierten Lernsoftware eine
klare Orientierung am betrieblichen Handeln zu generieren,
wäre eine Gliederung der Inhalte anhand des Leistungserstellungsprozesses
sinnvoll. Die Lernenden können auf diese Art und Weise
zunächst die sachlogische Reihenfolge der Unterrichtsinhalte
verfolgen. Die Navigation innerhalb eines Lernfeldes könnte
dann über eine Verlinkung der grafischen Darstellung
bspw. des Gemeinkostenplanungsprozesses erfolgen und damit
eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Abläufe ermöglichen.
Konkret umgesetzt könnte das wie folgt aussehen:

Abb. 8: Planungsprozess zu Navigation innerhalb eines Lernfeldes.
5.2.2 Flexible Wissensübermittlung
In konkreten Anwendungssituationen wäre es denkbar, das
Lernprogramm im Unterricht nur zur weiterführenden Vermittlung
v.a. dynamischer Problemstellungen zu nutzen und damit den
Lehr-/Lernprozess zu unterstützen. Besonders der Einsatz
der Software als Simulationswerkzeug erscheint sinnvoll.
Darüber hinaus könnte auch grundlegendes Fachwissen
über einzelne Themengebiete mithilfe der Software vermittelt
werden. Aufgrund der Möglichkeit der Vermittlung von
Grundlagenwissen mithilfe des Lernprogramms als auch persönlich
durch die Lehrperson erweist sich der Einsatz einer Software
als flexibel. Die Lernenden könnten sich Inhalte selbst
erarbeiten bzw. bei Bedarf ins Gedächtnis zurückrufen.
Die Verwendung eines Lernprogramms kann im konkreten Anwendungsfall
ausgehend von den Lernvoraussetzungen der Lernenden bspw.
deren Erfahrungen im Umgang mit dem Computer beurteilt werden.
Ein interessanter Verknüpfungspunkt kann hier die Verbindung
mit der Leittextmethode darstellen, die die Lernenden anhand
von Leitfragen zum für die Aufgabenbewältigung benötigten
Grundwissen führen soll (vgl. WEITZ 2000). Konkret können
zu unterschiedlichen Themengebieten Leittexte im HTML-Format
hinterlegt werden, die von den Lernenden bei Bedarf aufgerufen
werden können (vgl. GERDES 2002). Realisiert wird die
Leittextmethode ansatzweise in einem Arbeitspapier, das die
Dozenten dazu befähigen soll, Joker an ihre Anforderungen
anzupassen (vgl. SCHMITZ 2001).
Eine Software kann hier als sinnvolle Ergänzung gesehen
werden, indem die bereits im Gemeinschaftsunterricht erarbeiteten
Inhalte im Zusammenhang mit der Ergebnissicherung im Lernprogramm
hinterlegt werden. Durch die Möglichkeit des Rückgriffs
auf bereits erarbeitete Inhalte wird eine Individualisierung
des Lernprozesses in Bezug auf die Wissensstände und
die Lerngeschwindigkeiten ermöglicht.
Der Rückgriff auf diese Inhalte könnte mit Hilfe
der Menüsteuerung und den Datenbanken realisiert werden.
Zur Klärung einzelner nicht bekannter Begriffe könnte
auch auf ein Glossar zurückgegriffen werden, das kurze
Definitionen der verwendeten Fachtermini enthält.
Besonders vor dem Gesichtpunkt der Flexibilität besteht
für Dozenten die Möglichkeit, die in Joker verwendeten
kostenrechnerischen Begriffe anzupassen. Es kann auf diese
Art und Weise dem Problem begegnet werden, dass an unterschiedlichen
Schulen unterschiedliche Lehrbücher und damit evtl. auch
unterschiedliche Fachtermini zugrunde gelegt werden. Besitzen
die Anwender darüber hinaus HTML-Kenntnisse, können
eigene Lernmodule erstellt werden.
5.2.3 Lernfeldübergreifendes Lernen mit Joker
Analog zum freien Arbeiten in der bisherigen Joker-Version
könnten lernfeldübergreifende Problemstellungen
implementiert werden, die den Lernenden die Möglichkeit
geben, selbst gesteuert zu überprüfen, ob sie ihr
Wissen auch auf lernfeldübergreifende Entscheidungen
anwenden können. Konkret könnten Lernende wiederum
einzelne Entscheidungsparameter, die auf den Daten der Beispielunternehmen
basieren, verändern und mit Hilfe des Programms überprüfen,
ob sie die Konsequenzen der Veränderungen richtig abschätzen
und beurteilen konnten. Es wäre die Konstruktion einer
Aufgabe denkbar, die sich mit der Auswahl neuer Lieferanten
befasst. Dabei könnte insofern auf mehrere Lernfelder
abgezielt werden, als dass die Auswahl auch Konsequenzen für
die Marketingabteilung haben könnte. Gibt man den Lernenden
bspw. vor, dass sich das Unternehmen gerade mit einer Kampagne
zum Umweltschutz in der Öffentlichkeit präsentiert,
könnte man sich vorstellen, den Schülern auch Lieferanten
zur Auswahl zu stellen, die sich eher auf niedrige Kosten
als auf Umweltgesichtspunkte konzentrieren. Hierbei wären
auf der einen Seite die Kosten zu berücksichtigen und
auf der anderen Seite auch die Konsequenzen für die Marketingabteilung
und die allgemeinen Zielsetzungen des gesamten Unternehmens.
Zudem besteht in diesem Zusammenhang für die Lehrenden
die Möglichkeit, durch das Setzen von Lesezeichen und
den Zugriff auf die zugrunde liegenden Datenbanken didaktische
Bezugspunkte zu setzen, die für den beruflichen Alltag
als relevant erachtet werden. Es können während
der Unterrichtsvorbereitung bspw. bewusst lernfeldübergreifende
Aufgaben vorbereitet werden, die die Lernenden dann mit Hilfe
des Lernprogramms lösen können. Gerade hier kommt
der Vorteil der Software zum Ausdruck, viele Einflussfaktoren
und auch deren evtl. gekoppelte Wirkungen abbilden zu können.
Die Betriebe arbeiten derzeit in einer dynamischen Umwelt,
die bspw. von wirtschaftlichen, kulturellen, politischen Faktoren
beeinflusst wird. Die Absatzmengen schwanken und können
als unsichere Größe der Zukunft angesehen werden.
Bei der Planung der Absatzmengen und damit auch der Erlöse
könnte Einflussfaktoren mit Hilfe der Software durch
Simulationen abgebildet werden. Einflüssen wie die konjunkturelle
Lage könnten auf diese Weise auch als stochastische Größen
in die Betrachtung einbezogen werden. Die Realität kann
den Lernenden auf diese Art und Weise nahe gebracht werden.
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6.
Fazit |
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Die Ausführungen zeigen, dass computerbasierte Lernumgebungen
das Potenzial besitzen, Zielsetzungen wie die realitätsnahe
Abbildung betrieblicher Abläufe oder die Prozessorientierung
im Unterricht zu unterstützen. Gerade auch vor dem Hintergrund
des lebenslangen Lernens kann durch die neuen Technologien
eine stärkere Selbststeuerung und Individualisierung
der Wissenskonstruktion erreicht werden. Es ist nun Aufgabe
der Lehrenden, die Möglichkeiten, die sich aus den Entwicklungen
im Bereich des E-Learning ergeben, zu nutzen, um den Lehr-/Lernprozess
nachhaltig effektiver und effizienter zu gestalten.
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